Mittwoch, April 05, 2006

BILD und die Ausländer

Einfach nur abartig, was dieses Blatt da wieder verzapft. Da wird ein Professor Baring als der "klügste Kopf Deutschlands" hochgelobt, und der darf dann auf die tollen Fragen der tollen BILD antworten - und seine rechte Gesinnung offenlegen.

Nicht die Deutschen sind die Deppen, sondern diejenigen Politiker und Gutmenschen, die sich jahrzehntelang multikulturellen Träumen hingegeben haben.

Genau. Die Deutschen sind absolut unschuldig. Es sind diese linken Terroristen. Damit ist klar: wer links ist, ist nach BILD-Meinung nicht deutsch. Danke.
Prof. Baring: Vor allem fehlte eine klare, an deutschen Interessen ausgerichtete Einwanderungspolitik mit eindeutigen Grenzen für den Nachzug von sozial bedürftigen Angehörigen.
Hallo? Der größte Teil der Türken, Italiener etc. war als Gastarbeiter aber sowas von willkommen - besser an deutschen Interessen ausgerichtet ging gar nicht, die haben nämlich das deutsche Wirtschaftswunder gestützt. Dass sie dabei nicht integriert wurden, liegt ja wohl hauptsächlich an den Deutschen, die sie einerseits sowieso nicht unter sich haben wollten, und andererseits hofften, dass sie nach ein paar Jahrzehnten wieder verschwinden würden.

Prof. Baring: Anders als die USA, wo Zuwanderer spätestens in der dritten Generation patriotische Amerikaner werden, zeigt sich bei uns gerade unter jungen Leuten eine große Abschließungstendenz - eine frustrierte Selbstghettoisierung ohne Deutschkenntnisse, perspektivenlos, gewaltbereit, haßerfüllt.
Was soll uns dieser Satz sagen? Erneut, dass es nicht an den guten Deutschen liegt, sondern an den bösen Ausländern, die keine patriotischen Deutschen werden wollen. Vielleicht liegt das ja daran, dass die USA immer noch offener gegenüber Ausländern sind als unser tolles Deutschland? Die "Selbstghettoisierung" ist ja wohl ein Witz - auch hier wird wieder suggeriert, dass die Ausländer ja "selbst" schuld sind, wenn sie in ein "Ghetto" ziehen (dass dort die Mieten einfach günstiger sind, und sie es gerade am Anfang einfach leichter haben, als in einem "rein deutschen" Viertel, wird nicht erwähnt).

Prof. Baring: Da wir Deutschen ein geringes Selbstwertgefühl haben, wagten wir lange nicht, von den Zuwanderern Integrationsanstrengungen zu verlangen.
Erneut ganz weit rechts. Erstens wird dem Deutschen klargemacht, dass er gefälligst ein höheres Selbstwertgefühl haben muss, immerhin ist er ja ein Deutscher. Und zweitens ist es falsch, dass nicht "gewagt" wurde, Integrationsanstrengungen zu verlangen - es wurde einfach nicht gewollt. Die Ausländer sollten hier arbeiten und dann wieder verschwinden. "Richtige Deutsche" würden sie doch eh nicht werden, auch heute werden noch Afro-Deutsche gefragt, wo sie denn nun herkommen, selbst wenn sie schon in dritter Generation hier leben und in zweiter Generation die deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Prof. Baring: Wir müssen energisch darauf hinarbeiten, daß Emigranten zu Deutschen werden, also nicht nur unsere Sprache beherrschen, sondern sich auch unsere Kultur, Geschichte und allgemeine Umgangsformen zu eigen machen. Das ist weit mehr als multikulturelles Nebeneinanderherleben.


Hm, okay, deutsche Umgangsformen für Emigranten. Für diese ungebildeten, barbarischen Ausländer. Die wahrscheinlich mit den Fingern essen. Und eine richtige Sprache haben sie auch nicht. Erstmal Schrankwand Eiche rustikal rein. Und ab jetzt wird Schweinebraten gegessen und Bier getrunken.

BILD: Wieso gibt es fast ausschließlich Probleme mit Türken, Arabern, Albanern und Rußlanddeutschen, nicht aber mit Einwanderern aus anderen Ländern?

Prof. Baring: Das hat möglicherweise mit der hohen Gewaltbereitschaft in diesen Volksgruppen zu tun. Auch der politisch aufgeladene Islamismus spielt eine verhängnisvolle Rolle, man denke nur an die unerträgliche, nicht hinnehmbare Unterdrückung der Frauen.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass diese Einwanderergruppen (insbesondere Türken und Rußlanddeutsche) den Hauptteil der Immigranten ausmachen?

Prof. Baring: "Ausländer, laßt uns mit den Deutschen nicht allein!" klingt mir als Demonstranten-Parole noch heute in den Ohren.

Mir auch, und ich steh heute mehr denn je dazu.

Ernsthaft: so jemanden als "Deutschlands klügsten Kopf" zu bezeichnen, das grenzt (meiner Meinung nach) an Volksverhetzung (auch wenn sicherlich der Straftatbestand nicht erfüllt ist...).

Drauf gekommen durch Meow!

Nachtrag:
Offensichtlich hatte der Herr Prof. Baring vorgehabt, auf einer rechtsextremen Veranstaltung zu sprechen, und nur kurzfristig aufgrund des Medienechos abgesagt. Mehr über den feinen Herrn Professor, unsern klügsten Kopf, gibt's hier.

Nachtrag 2:
Außerdem ist der Herr Prof. Baring im Kuratorium des Axel-Springer-Preises.

Nachtrag 3:
Auch BILDBlog hat sich (erwartungsgemäß) des Artikels angenommen.

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3 Comments:

Blogger littleandy said...

Solche Beispiele gibt es leider zuhauf.

4/05/2006 10:23:00 AM  
Blogger Mone said...

In Deutschland haben doch selbst die Deutschen keinen Nationalstolz mehr... woran das wohl liegt? Grübel, Grübel?

4/05/2006 04:22:00 PM  
Blogger emily said...

genau wegen solch niveauloser interviews bin ich strikter verweigerer dieser zeitung (darf man das eigentlich noch als zeitung bezeichnen?) mag sein, dass kleine gruppierungen ausländischer mitbürger hin und wieder probleme bereiten, aber das tun die deutschen doch auch, und prozentual gesehen wahrscheinlich noch viel öfter?!? mit den meisten türken, russlanddeutschen, rumänen und sonstigen "zugereisten" habe ich - wie fast alle deutschen - keine probleme, wohl aber mit deutschen, die den sinn von worten wie "toleranz" und "zusammenleben" selbst unter zuhilfenahme von wikipedia nicht verstehen.
klasse beitrag, danke littleandy!!!

4/05/2006 06:26:00 PM  

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